Persönliche Gedanken zu meinem Verständnis von Supervision

Steht in der Psychotherapie die Lebenssituation, die Lebensgeschichte und Ziele des Klienten im Vordergrund, ist es in der Gruppenarbeit die Gruppe mit ihrem Prozess. In der Gruppensupervision bildet den Mittelpunkt der vorgestellte Patient/in/Klient/in und sein/em/seiner/m Therapeut/in/Betreuer/in. Warum? Phänomene wie Übertragung und Gegenübertragung spielen in der Beziehung zwischen Klient/in und Therapeut/in/ Betreuer/in eine wesentliche Rolle.

  • Unter Übertragung (des Klienten, Patienten) versteht man die Projektion meist nicht bewusster bzw. verdrängter Gefühle, Erwartungen, Wünsche aber auch Befürchtungen aus der eigenen Entwicklungsgeschichte auf neue soziale Beziehungen und Situationen. Dies bedeutet, dass auch die Person des Helfers (Betreuers) zur Projektionsfläche für die/den Klienten wird, ohne dass ihr/ihm das so bewusst ist.
  • Doch auch die/der Helfer/in hat ihre Entwicklungsgeschichte und projeziert ihrerseits ihre Gefühle, Erwartungen aber auch Befürchtungen auf die/den Klientin/en. Dies bezeichnet man als Gegenübertragung. So entstehen mehr oder weniger komplexe Wechselwirkungen zwischen der Übertragung des Klienten und der Gegenübertragung des Helfers.

Diese aus der Tiefenpsychologie stammenden Begriffe (Freud) finden ihre Entsprechung auch im Konzept der Bindungstheorie (Bowlby), nach der wir in den ersten Lebensjahren eine innere Vorstellung von Bindung entwickeln, wie immer diese auch sein mag. Und diese innere Repräsentanz übertragen wir meist unreflektiert auf spätere Beziehungen, d.h. wir gehen davon aus, dass es dort auch so ist.
Deshalb geht es auch in der Supervision darum, zu lernen, diese eigenen unbewussten Prozesse wahrzunehmen anhand von Fallarbeit (Balint: Selbsterfahrung und Fallarbeit). Dies kann zu einem veränderten Verständnis der aktuellen Beziehungsdynamik und einer lösungsorientierten Korrektur führen.

Diese Arbeit bedarf der wesentlichen Rahmenbedingung des gegenseitigen Respekts und des Vertrauens, etwas, was einer geschlossenen Gruppe bedarf. Nur so kann die Gruppe zu einer Art sozialen und emotionalen Resonanzkörper werden, wenn ein/e Teilnehmer/in seinen/ihren "Fall" vorstellt.

Der Supervisor ist aufmerksamer Begleiter der Gruppe, er ermöglicht der Gruppe den notwendigen Freiraum, in sich hineinzuhören und die eigenen Impulse in Bezug auf die Person des/der Fallvorstellers/in wahrzunehmen. Er strukturiert bei Bedarf die Gruppeneeinfälle und achtet auf unbewusste Gruppenprozesse (Gruppengeschehen als Analogie zur Fallbeziehung). So kann die Gruppe als wesentliche Ressource genutzt werden, den eigenen Horizont zu erweitern, indem auch die eigene Gegenübertragung zu verstehen und nutzbar zu machen.